1997 fand ein beachtenswertes Ereignis statt. Weit außerhalb der Niederlande wurde in einem bis dahin völlig unerschlossenen Gebiet im übertragenen Sinn die Wagenborg-Flagge gehisst: in Kasachstan am Kaspischen Meer.

Diese aufsehenerregende Neuigkeit war unter anderem eine Folge des Rufs, den Wagenborg mittlerweile im Bereich der integrierten Logistik aufgebaut hatte. Geschäftsführer Rob Wagenborg: „Aufgrund unserer Vielseitigkeit und der Tatsache, dass wir nicht schnell eine Anfrage zurückweisen, konnten wir über unsere Kontakte in der Öl- und Gasindustrie genau im richtigen Moment Lösungen für ein sehr komplexes Logistikproblem vorlegen.“

Ein Konsortium von sieben Ölgesellschaften unter der Führung von Shell untersuchte die Möglichkeiten der Ölförderung im Kaspischen Meer: In einem Gebiet von ca. 300 x 300 Kilometer im nördlichen Teil, wo die Wassertiefe lediglich 3 m beträgt und sich im Winter eine bis zu 1 m dicke Eisschicht bilden kann. Als Bohrplattform wurde ein Ponton mit 1,80 m Tiefgang gewählt, der an der Bohrstelle auf ein aufgespültes Sandplateau abgesenkt werden sollte.

Aufgrund des Know-hows im Fahren in flachen Gewässern und der Kompetenz in der Logistik bei der Öl- und Gasförderung wurde Wagenborg beauftragt, beim Bau der Arbeitsinsel als Berater zu fungieren, eine Versorgungsstrategie zu entwickeln und Spezifikationen für den benötigten Schiffs- und Materialbedarf vorzulegen. Letzten Endes ergab sich daraus der Auftrag für das gesamte Versorgungspaket, einschließlich der zwei Versorger. Wagenborg ließ damit ein internationales Feld von 30 Bewerbern hinter sich.

Der Auftrag für den Bau der Versorger, die die Typenbezeichnung „Shallow draft icebreaker supply vessels“ oder „Eisbrechende Versorger mit geringem Tiefgang“ erhielten, ging an die Kvaerner Masa-Werft in Helsinki. Die Schiffe können in Vorausfahrt eine bis zu 60 cm dicke Eisschicht durchbrechen und in Achterausfahrt sogar 90 cm. Dass die Leistungen bei Achterausfahrt besser sind, ist auf Form und Gewicht des Achterschiffes und das so genannte Azipod-System, auch Pod-Antrieb genannt, zurückzuführen. Dieser Elektroantrieb mit Dieselmotor eignet sich besonders für Aktionen im Eis, weil er im Gegensatz zu den herkömmlichen Antriebsmechanismen keine direkten und anfälligen Verbindungen zwischen Motor und Schraube hat. Die Edelstahlpropeller werden elektrisch angetrieben und können Eisbrocken zerstoßen.

Später wurde das Kasachstan-Projekt nochmals erweitert. Für das Verschleppen der riesigen Arbeitsinsel zu anderen Bohrstellen werden Schlepper benötigt, die über ausreichend Leistung verfügen und zugleich in flachem Wasser operieren können. Wagenborg konnte erneut auf das Know-how und die Erfahrung in diesem speziellen Fachgebiet zurückgreifen und wurde mit der praktischen Ausführung der Schlepparbeiten betraut. Daraus ergab sich der Bau von vier Schleppern mit einer Länge von ca. 30 m und einem Tiefgang von ca. 1,30 m, die jeweils über 2 x 675 PS verfügen. Eines dieser Schiffe ist zudem mit einem Kran ausgerüstet, sodass es auch als Service-Fahrzeug eingesetzt werden kann.

Mittlerweile sind gut 15 Jahre vergangen und Wagenborg operiert im Kaspischen Meer mit 30 Fahrzeugen, variierend von eisbrechenden Versorgern bis hin zu Hotelschiffen, von eisverstärkten Pontons bis hin zu Ankerziehschleppern. Mit der Einsatzleitung in unserer operativen Basis in Bautino und unserer Verkaufsorganisation in Aktau ist Wagenborg inzwischen ein bekannter Name in dieser Region.

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